Der klassische Zauber franzosischer Chansons

Robert-Frank
Jacobi und Anita. Pirrnan-Lorin ernteten in Max-Grundig-Klinik reichen Beifall

lm Handumdrehen zauberte der elsassische Chansonnier und Liedermacher Robert Frank Jacobi in einem "deutsch-franzosischen Freundschaftskonzert" im Atrium der Max Grundig-Klinik auf der Bühlerhohe jene unvergleichliche Atmosphäre herbei, die klassische französische Chansons vor allem dann ausstrahlen, wenn sie gekonnt vorgetragen werden.

Einen wesentlichen Beitrag dazu, dass alles so perfekt stimmte, leistete auch Anita Pirman-Lorin, die den Liedermacher auf dem Akkordeon wahrhaft meisterlich begleitete. Dezent, mit flinken Fingern und einer hohen Ausdruckkraft, die nicht zuletzt durch ihre ausgesprochen anpassungsfähige Dynamik zu Stande kam, fand sie immer genau den richtigen Tonfall, den man an französischen Chansons so liebt.

Dabei waren es durchaus nicht nur klassische Chansons und längst nicht alles französisch, was die beiden Musiker so überzeugend vortrugen. Schon der Einstieg ins Konzert dürfte den meisten Zuhörern eher als ein Lied eines deutschen Liedermachers bekannt gewesen sein : es handelte sich um eine französische Version des Liedes "Heute hier, morgen dort" von Hannes Wader, die bei Jacobi aber keine Hymne ans Vagabundenleben mehr ist, sondern eine an die Freundschaft und "Les Chemins de l'amitié" heißt. Nebenbei konnte man sich dabei auch klar machen, in welchem Maß deutsche Liedermacher wie Wader auf der franzosischen Chanson-Tradition aufbauen.

Jacobi, der auch Präsident der elsässischen Mundartgesellschaft ist, machte schnell klar, dass ihm bei der deutsch-franzoösischen Freundschaft vor allem das Zusammenrücken von Badenern und Elsässern am Herzen liegt. Das kam auch im nächsten Lied, eine "Ode an Baden-Baden", zum Ausdruck, das eine regelrechte Liebeserklärung an diese, wie Jacobi meint, "deutsch-franzosische Stadt" ist. Obwohl auf Deutsch gesungen, war dies durch und durch ein klassisches französisches Chanson, versehen mit einem Schuss wohligsehnsüchtiger Wehmut und einem Schuss Nostalgie.

In diesem Stil ging es weiter mit "Les Faubourgs de Strasbourg", das eine unglückliche Liebe besingt, und schon war man mitten im Elsass und von da an auch in der elsässischen Sprache. Das folgende Lied "S' Land am Rhin" stammt in der französischen Originalversion von dem großen Chansonnier Jacques Brel und war natürlich die reine Liebeserklärung an den Landstrich am Rhein. Und urn da noch eins drauf zu setzen, brachte er eine Mischung aus Gedicht, mit einem gesungenen Refrain, am Beispiel eines Tischs, an dem sich die gesamte Familie traf, nostalgische Heimatliebe zu Ausdruck brachte.

Nach der Pause in diesem ungewöhnlich langen Konzert, in der sich die Zuhörer Chansons von Jacobi wünschen durften, machte der elsässische Liedermacher zunächst eine Verbeugung vor den Liedern der ganz des französischen Chansons, vor Jacques Brel, Georges Moustaki, vor Charles Aznavour und vor Edith Piaf. Aber auch ganz andere Lieder haben Jacobi und seine Akkordeonistin Anita Pirman-Lorin im Repertoire. Da fehlte "Der Hans im Schnokeloch" ebenso wenig wie eine Reminiszenz an Norddeutschland mit einem auf plattdeutsch vorgetragenen Volkslied. Ein Lied schließlich war Chantal Grundig,  der Präsidentin der Max-Grundig-Stiftung, gewidmet, die die Aktivitäten Jacobis um den Erhalt der elsässischen Sprache und die Verstandigung zwischen Elsässern und Badenern fördert.

Für den reichen Beifall bedankten sich die beiden Musiker mit dem Klassiker von Edith Piaf schlechthin : "Non, rien de rien, non, je
ne regrette rien.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Karl-Heinz Fischer

BNN 20/6/06 

 

Presse Robert-Frank Jacobi - BNN 20/6/06
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