Nachdenklichkeit und herzhafter Mutterwitz

Sommertheater-Saison beginnt / Konzert mit dem elsässischen Liedermacher Robert Frank Jacobi ausverkauft

 

Der Liedermacher Robert Frank }acobi wird im Baldreitgarten einfühlsam von Anita Pirma-Lorin am Akkordeon begleitet. 
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oto: Hecker-Stock

Von Conny Hercker-Stock

Baden-Baden - Die Hommage an Jacques Brel, mit der der elsässische Liedermacher Robert Frank Jacobi die Ära des diesjährigen Sommertheaters im ausverkauften Baldreitgarten einläutete, bescherte den Besuchern ein wonnevolles Wechselbad der Gefühle. In seiner Künstlerpersönlichkeit vereint Jacobi den ernsthaften Liedermacher mit berührenden, nachdenklich stimmenden Texten mit dem schalkhaften Filou, der es faustdick hinter den Ohren hat.
    Um beides nicht zu verwässern,  gliederte er sein Programm in einen teils etwas schwermütigen ersten Part und präsentierte die heiteren Passagen nach der Pause. Am Akkordeon wurde Jacobi sehr einfühlsam von Anita Pirma-Lorin begleitet, die sich wunderbar in seine Lieder hineinfühlte und als eine der besten Valse-Musette-Spielerinnen Frankreichs gilt.
Jacques Brel ist für Jacobi einer der größten Chansonniers aller Zeiten und sein großes Vorbild. Zahlreiche Texte seines Landsmanns hat der engagierte Verfechter elsässischer Mundart in selbige übersetzt, doch er steuerte auch etliche eigene Titel bei. Etwa die Hommage an sein Geburtsstädtchen Pfaffenhofen,
in dem er vom
Hunger des frierenden Kindes singt, was er aber dennoch als wichtige Erfahrung seines an Lausbubenstreichen reichen Lebens sieht.
    Eine Gänsehaut kroch einem über den Rücken bei seinem Titel "D'Alte", die nicht mehr viel träumen, nur noch den Weg von der Couch bis zum Fenster gehen, langsam einschlafen und irgendwann nicht mehr aufwachen. Dem stellte er den Brel-Titel von den
Kindern dieser Welt gegenüber, die zumindest zum Zeitpunkt der Geburt in ihrer Unschuld noch alle gleich sind, egal "ob Sohn eines Kaisers oder Sohn eines Nichts". Und selbst den einsetzenden Regen, der den von einer Plane geschützten Besuchern nichts anhaben konnte, kommentierte Jacobi tiefsinnig: "Der Himmel hat Tausend Gründe dafür, lassen wir ihn weinen".
   
Melancholie pur verbreitete sein Titel "Jeanette", in dem er bei der Abreise seiner Jugendfreundin nach Paris "vor Kummer fast verreckt", weil er ihr gegenüber die drei magischen Worte nie aussprechen konnte. Goethe und Friederike Brion widmete er seine kleine Hommage an eine große Liebe romantisch verklärt war seine bereits vor vielen Jahren geschriebene "Ode an Baden-Baden".
    Seinen herzhaften Mutterwitz ließ Jacobi besonders im zweiten Programmteil aufblitzen. Da steigerte der Tango seine Chancen bei den Damen, er besang Lillys Schönheitsoperation mit all ihren Folgen - "der Zinke isch korrigiert, dafür kriegt se d'Schnuffel nimmer uff" - und bezeichnete Ex.-Präsident Sarkozy ,als "Oberrammler irn Hasebockverein".
    Schallendes Gelächter erntete sein Streifzug durch die elsässische Hitparade mit umgedichteten Texten von Sinatra, Engelbert oder Freddy Quinn. Doch am Ende wurde der mit viel Beifall gefeierte Jacobi noch mal ernst. Er hatte diesen Chansonabend der vergangene Woche gestorbenen Margot Werner gewidmet, für die er zahlreiche Liedtexte geschrieben und deren Karriere er von Beginn an begleitet hat. Sein letztes Lied für die einst große Künstlerin konnte sie selbst nicht mehr singen: "Mein Leben war ein Karussell".

Badener Tagblatt 11/7/12

Presse Robert-Frank Jacobi - Badener Tagblatt 11/7/12
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